
Alpengarten Schynige Platte
Der Alpengarten auf der Schynige Platte präsentiert die faszinierende Pflanzenwelt der Schweizer Hochalpen in natürlicher Umgebung.
Auf knapp 2000 Metern Höhe oberhalb von Interlaken gedeihen über 750 einheimische alpine Pflanzenarten inmitten intakter Berglandschaften.
Für Naturliebhaber, Botanikinteressierte und Strahler bietet dieser hochalpine Schaugarten unvergessliche Einblicke in die alpine Flora und Geologie.

Botanischer Gartenplan
Der Alpengarten Schynige Platte ist ein ganz besonderer Botanischer Garten. Als alpenweit erster und einer von ganz wenigen zeigt er die Pflanzen in ihren natürlichen Pflanzengesellschaften, und zwar möglichst alle Pflanzen, die in der Schweiz oberhalb der Waldgrenze vorkommen.
Hier können Sie sich auf bequemen Wegen und Weglein (ca. 1 km mit ca. 40 m Höhendifferenz) auf kleinstem Raum, ohne auf viele Gipfel steigen zu müssen, im Verlaufe des Sommers an rund 800 Arten, d. h. ca. zwei Drittel der Schweizer Alpenflora, erfreuen. Sie können die Alpenpflanzen in Ruhe betrachten, fotografieren und an Hand der Etiketten kennen lernen.
Für den Alpengarten wurden im Jahr 1928 gut 8000 m2 Alpweide eingezäunt und dadurch aus der Jahrhunderte alten Bewirtschaftung herausgenommen. Die vielfältige Klein-Topographie in verschiedener Exposition führt zu einer grossen Mannigfaltigkeit an ökologischen Bedingungen und damit von Pflanzengesellschaften. Die grössten Flächenanteile nehmen die Blaugrashalde, die Rostseggenhalde und die Milchkrautweide ein, sie sind auch in der Umgebung am häufigsten. Diese wurden in kleinen Einpflanzungen angereichert durch Arten, die andernorts in der Schweiz in diesen Pflanzengesellschaften wachsen.
Der Eingang zum Alpengarten befindet sich unmittelbar neben der Bergstation der Schynige Platte Bahn. Er ist mit einem Rundgang in ca. 30 Minuten bis zu 4 Stunden (Hauptweg 420 m, mit Nebenwegen ca. 1 km) zu durchwandern, je nach Interesse des Besuchers. Auf Wunsch werden auch Führungen angeboten.

Erlebnis Natur und Wissenswertes
Die wissenschaftliche Seite ist neben der ästhetischen und touristischen eine der spannendsten und aussagekräftigsten des Alpengartens.
Seit 1932 steht im Wohn- und Studiengebäude ein Unterrichtsraum als ideale Basis für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung. Bisher wurden darin auch über 120 Kurse für Studenten der Universität Bern und für die Lehrerfortbildung durchgeführt. Verschiedene Seminar-, Diplom- und Doktorarbeiten wurden im Umfeld des Alpengartens ausgeführt.
Gleich nach der Gründung des Alpengartens wurden in diesem selbst und in der «Versuchsweide» von Dr. Werner Lüdi wissenschaftliche Versuche angestellt. 1929 legte W. Lüdi im Garten 46 Dauerflächen in fünf Pflanzengesellschaften an. Er notierte die in diesen Flächen vorhandenen Arten. Bei 24 unternahm er einen experimentellen Eingriff (Mähen, Düngen, Stampfen als Imitation des Weidetrittes, Ansäen, Ausjäten). Nach 5 und 10 Jahren wiederholte er die Aufnahme der Arten, publizierte die Resultate 1936 und 1940 und schloss den Versuch ab.
Diese Flächen sind heute leider nicht mehr markiert. Die meisten sind in der recht homogenen Vegetation noch einigermassen zu lokalisieren und zeigen zum Teil sehr klare und erstaunlich grosse, in anderer Vegetation aber auch erstaunlich geringe Veränderungen.

Tradition und Schutz der Gebirgsflora Pflanzengesellschaften
Alle Pflanzen haben ihren «Standort». Sie stellen ganz bestimmte Ansprüche an die Gesamtheit der ökologischen Bedingungen eines Lebensraums wie Klima, Geologie, Bodenbildung, Wasser und Nährstoffversorgung.
Pflanzen mit vergleichbaren Ansprüchen finden sich meist gemeinsam und bilden eine «Pflanzengesellschaft», zusammen mit Tieren und Mikroorganismen eine Lebensgemeinschaft. Die Pflanzengesellschaften werden benannt, beschrieben nach Artenzusammensetzung und nach den dort wirkenden ökologischen Faktoren.
In den Alpen sind viele Lebensräume noch weitgehend so erhalten, wie sie sich über Jahrhunderte hinweg entsprechend den natürlichen Gegebenheiten und unter dem Einfluss der traditionellen Alpwirtschaft entwickelt haben, während jene im Flachland sehr stark verändert wurden.
Bereits seit 1928 widmet sich der Verein Alpengarten Schynige Platte der Erforschung, dem Schutz und der Vermittlung der heimischen Bergflora. Die sorgfältig gepflegten Beete und natürlichen Felsfluren beherbergen rund zwei Drittel aller Blütenpflanzen der Schweizer Alpen. Als wissenschaftlich geführter Alpengarten leistet er einen wertvollen Beitrag zum Erhalt bedrohter Alpenblumen und vermittelt fundiertes Wissen über alpine Ökosysteme.
Die Anreise mit der über 125 Jahre alten historischen Zahnradbahn ab Wilderswil ist dabei bereits ein eindrückliches Erlebnis. Für Strahler und Naturbegeisterte bietet das Gebiet rund um die Schynige Platte ein vollkommenes Zusammenspiel aus Gebirgsbotanik, Gesteinsstrukturen und einmaligem Naturpanorama.
